Der Malawisee

Afrika Malawisee
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Der englische Missionar und Afrika-Forscher David Livingstone entdeckte bei seinen Expeditionen im Jahre 1859 ein unwahrscheinlich großes Binnenmeer in Ostafrika, welches er nach Angaben der einheimischen Bevölkerung Nyassa-See nannte, ohne zu wissen, dass Nyassa lediglich großes Wasser bedeutet. Daher wurde dieses Süßwassermeer in Malawisee umbenannt, was soviel wie "flammendes Wasser" bedeutet, womit höchstwahrscheinlich die vielen Lichtreflexe auf der Wasseroberfläche gemeint sind. In Tansania und Mosambik wird dieser See übrigens auch heute noch Njassasee (engl. Lake Nyasa) genannt, was in der Sprache der Yao "großes Wasser" bedeutet.

Der Malawisee ist der neuntgrößte See der Welt und nach dem Viktoria- und dem Tanganjikasee der drittgrößte See Afrikas und liegt im Südabschnitt des afrikanischen Grabenbruchs. Er ist eigentlich ein Binnenmeer. 3 bis 4 Meter hohe Wellen bei stürmischem Wetter sind keine Seltenheit. Nimmt man an den ausgedehnten Sandstränden ein Bad in der Brandung, ist man überrascht, dass das Wasser nicht salzig schmeckt. Als eines der der größten tropischen Süßwassermeere der Erde ist es auch eines der größten Trinkwasserreservoire. Er liefert den Anwohnern jährlich zehntausende Tonnen Fisch. Als Speisefisch dienen dabei überwiegend Utaka (Haplochromine), Chambo (Tilapien), Welse und Usipa (Seesardinen).

Der See ist Teil des Grabenbruchsystems und wird von gewaltigen Bergmassiven an der Nordwestküste, nördlich von Nkhata Bay, und an der Nordostküste mit dem Livingstone Gebirge eingerahmt.

Zahlreiche Zuläufe, überwiegend aus den umliegenden Gebirgen, speisen den See. In den Wintermonaten schwellen die Flussläufe, die nach der Regenzeit austrocknen, an und tragen schlammiges Wasser in den See.
Der einzige Abfluss ist der kleine Fluß Shire an der Südspitze des Sees, der zunächst in den Lake Malombe fließt und später im Zambesi mündet. Der Shire ist jedoch so klein, dass er die großen Wassermassen, die während der Regenzeit in den See gelangen, nicht abfließen lassen kann. Somit schwankt der Wasserstand des Sees innerhalb eines Jahres um 2 Meter. Neben den jährlichen Schwankungen ändert sich der Wasserspiegel auch über längere Zeiträume hin. Seit August 1980, dem Zeitpunkt, an dem der See seinen höchsten gemessenen Stand erreichte, fiel der Wasserspiegel um mehrere Meter. Seit 2001 steigt der Pegel jedoch wieder.
Vor 25.000 Jahren lag der Wasserstand rund 400 Meter (!) niedriger. Er blieb jedoch im Gegensatz zum Tanganjikasee ungeteilt. Untersuchungen der Sedimentschicht deuten darauf hin, dass es mehrere Perioden mit niedrigen Wasserständen gab.

Aufgrund der am Boden zu findenden Sedimentschicht wird das Alter des Sees auf 3 bis 20 Millionen Jahre geschätzt.

Durch die Anhebung der Erdoberfläche liegt der Malawisee 472 m über NN. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 600 km. Damit ist er etwa neunmal so lang wie der Bodensee. Die Breite beträgt durchschnittlich etwa 50 km und dehnt sich an einigen Stellen bis auf 80 km aus. Die Küstenlinie umfasst ca. 1300 km. Er bedeckt eine Fläche von etwa 31.000 km2, was ungefähr der Grösse Bayerns entspricht. Die maximale Tiefe liegt bei über 700 Metern.

Dieses Binnenmeer wird durch drei Anrainerstaaten begrenzt. Der größte Teil des Sees, der westliche und südliche, gehört zu Malawi, der nordöstliche zu Tansania und der südöstliche zu Mosambik. Die zwei große Inseln, Likoma und Chizumulu, sowie das Taiwan Riff, etwa 10 km nördlich von Chizumulu, liegen im mosambikanischen Teil, gehören aber zu Malawi. Der See belegt ein Drittel des Staatsgebietes von Malawi. Malawi besitzt eine Küstenlinie von rund 800 km, Mosambik von 200 km und Tansania von 300 km.

Der Malawisee ist eines der klarsten Süßwasserseen der Welt. Jahreszeitlich bedingte Temperatur- und Niederschlagsschwankungen führen jedoch zu Veränderungen der Sichtverhältnisse unter Wasser. Diese können von 1 m bis 20 m schwanken. In reinen Felsregionen beträgt die Sicht zeitweise über 20 Meter, in der Regel reicht die Sicht jedoch 8 Meter weit. Selbst in schlammigen Buchten beträgt sie noch 3 Meter. Während der Algenblüte wird die Sicht jedoch sehr eingeschränkt.

Während der stürmischen Zeit von Juni bis Mitte August kann die Lufttemperatur bis auf 15° C fallen. In dieser Zeit fällt die Wassertemperatur der oberen Schichten auf 23° C und im Süden, wo das Wasser flacher ist, bis auf 20° C.
Nach dieser stürmischen und kalten Phase folgt eine warme windstille Zeit in der das Wasser wieder erwärmt wird. Ab Mitte November beginnt dann die Regenzeit, die bis zum Mai andauern kann. Nach den heftigen Regenfällen, vor allem im Januar und Februar, schwellen die Flussläufe, die nach der Regenzeit austrocknen, an und tragen schlammiges Wasser in den See. Im November werden Temperaturen von 25 bis 40° C erreicht, weshalb die Nordwinde in dieser Zeit sehr geschätzt sind.

Die tropische Lage des Sees verhindert, dass das Oberflächenwasser kälter als das Wasser der tieferen Schichten wird. Daher kommt es zu keiner nennenswerten vertikalen Zirkulation, wodurch nur in den oberen 200 Meter ausreichend Sauerstoff für andere als anaerobe Mikroorganismen vorhanden ist.

Die chemische Zusammensetzung des Wassers im ganzen See ist recht einheitlich. Der pH-Wert, das Maß für den Säure- bzw. Alkaligehalt des Wassers, variiert zwischen 7,8 und 8,5. Der Unterschied zwischen diesen beiden Werten beruht hauptsächlich auf dem Karbondioxidgehalt (CO2) des Wassers. In der Brandung ist der Gasaustausch optimal, wodurch der Co2-Gehalt sinkt und der pH-Wert steigt. Er ist hier also höher als in geschützten Buchten oder in tieferen Wasserschichten. Die Leitfähigkeit, ein Maß für den Gehalt an Mineralien, reicht von 200 bis 260 microSiemens, was im Vergleich zu anderen Seen im ostafrikanischen Grabensystem recht niedrig ist.

Der in vielerlei Hinsicht faszinierende Malawisee wurde berühmt durch seine Cichliden. Kein See der Welt enthält solch eine mannigfaltige und unterschiedliche Gemeinschaft von diesen Buntbarschen. Fast alle Arten leben endemisch im Malawisee, leben also nur dort und in sonst keinem anderen Gewässer und sind Maulbrüter im weiblichen Geschlecht. Höchstwahrscheinlich entwickelten sie sich alle aus einer einzigen Stammart, möglicherweise Astatolapia calliptera, der noch heute aus den Flüssen in den See zieht.
Durch reichhaltiges Nahrungsangebot werden im küstennahen Felsbiotop 6 bis 7 und manchmal bis zu 12 Cichliden pro Quadratmeter gezählt. Die Algen, die auf den meisten Felsen zu finden sind, sind mit sehr vielen Kleintieren wie Muschelkrebse, Zuckmückenlarven und Ruderfußkrebsen besiedelt. Bis zu 30.000 Organismen leben in einem Quadratmeter dieses Aufwuchses. 600 Arten sind bisher bekannt und es werden noch weitere 200 - 300 Arten in tieferen noch nicht so erforschten Schichten des Sees vermutet. 1961 wurden die ersten Cichliden in einem Aquarium gezeigt. Diese waren Melanochromis parallelus. Aquaristische Bedeutung wurde jedoch erst in den 70er Jahren erlangt.

Die Küstenlinie des Sees ist zu einem Viertel bis einem Drittel felsig, Der größte Teil besteht jedoch aus Sandstränden und einen kleinen Teil bilden schilfbewachsene Sumpfregionen, die man vorwiegend an Flußmündungen findet.
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