| Voller Stolz auf die erworbenen kleinen "Malawi-Buckelköpfe" setzt der noch unerfahrene Aquarianer diese in sein Aquarium um einige Zeit später mit Erschrecken feststellen zu müssen, dass sein Becken viel zu klein ist. Die Cyrtocara moorii, so lautet der richtige Name, sind auf ein stattliches Maß herangewachsen und sprengen die Ausmaße des heimischen Aquariums.
In Zoofachgeschäften werden Fische meist in kleinen Verkaufsbecken angeboten, was viele dazu verleitet, diese Fische in der Hoffnung zu erwerben, dass das größere heimische Aquarium ausreichend Platz für diese oder eine andere Art bietet. Das ist jedoch sehr oft nicht der Fall und plötzlich stellt man fest, dass das Becken viel zu klein für die angeschaffte Art ist.
Nicht nur die zu erreichende Endgröße stellt dann ein Problem dar, sondern oft auch die plötzlich auftretende Verhaltensweise, die sich in einer aggressiven Revierverteidigung oder in ausgiebigem Umherschwimmen bei Schwarmfischen ausdrücken kann. Die einen benötigen dann viele Versteckmöglichkeiten und die anderen sehr viel freien Schwimmraum. Diese Verhaltensweisen treten im Verkaufsbecken durch fehlende Revierabgrenzungen und ständig wechselnden Besatz oder sich ändernde Besatzdichte nicht oder kaum auf. Bei Jungfischen sind diese Verhaltensweisen ebenfalls noch nicht oder noch nicht so stark ausgeprägt.
Zu kleine Becken sind eine Qual für Fische, da sie sich vor stärkeren Mitbewohnern nicht verstecken können oder ihr Bewegungsdrang permanent behindert wird. Dadurch wird der Fisch sehr gestresst und ein verfrühtes Ableben ist vorprogrammiert. Cichliden aus dem Malawisee können im Aquarium um die 10 Jahre alt werden. Dieses hohe Alter erreichen sie jedoch nur bei guten Haltungsbedingungen in einem ihrer Art entsprechendem großen Becken.
Die in der Literatur und auf Internetseiten angegebenen Endgrößen der einzelnen Fische entsprechen den Größen in den natürlichen Gewässern. Im Aquarium bei guter Fütterung können diese Maße aber sehr schnell übertroffen werden. Daher kann ein Aquarium, gerade auch unter diesem Gesichtspunkt, niemals zu groß sein. Die in den Beschreibungen der einzelnen Arten angegebene Beckengröße sollte insofern auch immer nur als Minimum angesehen werden.
Die Arbeitsgemeinschaft Aquaristik im Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz (BNA) unter Federführung des Verbandes Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Cichliden Gesellschaft e.V. (DCG) versucht, Mindestanforderungen für die Haltung von Aquarienfischen aufzustellen. Wenn man nun dort liest, dass Aulonocaras in Becken mit einer Kantenlänge von 80 cm bei 112 Litern Beckenvolumen oder Labidochromis-Arten in Becken mit einer Kantenlänge von 60 cm bei 54 Litern Beckenvolumen gehalten werden können, lässt dies nur einen Schluss zu: Der Versuch ist misslungen !
Becken mit Maßen unter 100 x 40 x 40 cm (160 Liter) sind nach meiner Erfahrung für eine dauerhafte Pflege von Malawi-Cichliden völlig unbrauchbar und selbst diese stellen das untere Limit dar. In kleineren Becken können sich die Fische nicht aus dem Wege "gehen", was zu erhöhten Stresssituationen führt.
Kurzzeitige Unterbringung in kleinern Becken zur Quarantäne, weil das Schauaquarium umgestaltet werden soll oder aus anderen Gründen ist natürlich als Übergangslösung vertretbar. Die Zeit in dem kleinen Becken sollte jedoch so kurz wie möglich und nur so lange wie nötig sein.
Wie bereits erwähnt, spielen bei der Besatzfrage die Abmessungen des Aquariums eine entscheidende Rolle. Hier ist die Kantenlänge von entscheidender Bedeutung, damit die Fische auch richtig schwimmen können. Bei erfahrenen Aquarianern hat sich folgende Formel durchgesetzt:
Beckenlänge in cm / 10 = max. Länge eines Fisches im Becken
Neben der Beckenlänge ist das Beckenvolumen von besonderer Bedeutung. Die Fische müssen sich ja auch noch im Becken umdrehen oder auch mal rauf und runter schwimmen können. Es sollte gewährleistet sein, dass die Fische vor dem Steinaufbau ausreichend Platz finden, um sich nach oben oder unten bzw. zur Seite einander ausweichen zu können und genügend Schwimmraum zu haben. Für Fische bis zu einer Länge von ca. 25 cm hat sich folgende Formel durchgesetzt:
Beckeninhalt in Liter / 50 + 5 = max. Länge eines Fisches im Becken
Um den Fischen einen vernünftigen Lebensraum zu geben, sollten bei der Auswahl von Cichliden also immer beide Formeln Berücksichtigung finden. Es ist unerlässlich, sich genau darüber zu informieren, welche Endgröße ein Fisch erreicht.
Sofern noch kein Aquarium vorhanden ist, sollte bei der Anschaffung noch folgender Punkt berücksichtigt werden: Bei Anschaffung eines Aquariums ist also auf die Beckenbreite zu achten, damit vor dem stabilen Steinaufbau noch ausreichend Schwimmraum zur Verfügung steht. Da die Steinaufbauten mit zunehmender Höhe auch meistens breiter ausfallen, sollte die Beckenbreite mindestens so groß sein, wie das Becken hoch ist.
Beckenhöhe = mindestens Beckenbreite
Weiterführende Seiten:
Besatzdichte
Vergesellschaftung von Cichliden
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